Elektrische Verfahren zur Bestimmung der Materialfeuchte: Unterschied zwischen den Versionen

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====Mikrowelle====
==Mikrowelle==


Wassermoleküle stellen elektrische Dipole dar, die in ihrer Aus¬richtung einem angelegten Wechselfeld zu folgen versuchen. Von einem gewissen Frequenzbereich an, der im Bereich der Mikrowel¬len liegt, können die Moleküle dem Wechselfeld nicht mehr schnell genug folgen, und es tritt eine ''Debye''-Relaxation auf, die zum einen mit einer Abnahme der Dielekrizitätskon¬stanten (DK = Realteil <nowiki>’</nowiki> der komplexen relativen DK), zum anderen mit einem hohen dielektri¬schen Verlust (= Imaginärteil <nowiki>’’</nowiki> der komplexen relativen DK) verbunden ist. Da für übliche tro¬ckene Baumateria¬lien die DK sehr klein ist und die dielektrischen Verluste prak¬tisch vernachläs¬sigbar sind, werden sowohl die DK als auch die dielektrischen Verluste eines kapillar-porösen Baustoffes we¬sentlich von dessen Wassergehalt bestimmt. Allerdings lassen sich die wesentlichen Nachteile der Leitfähigkeitsmethode und der Kapazitätsmethode vermeiden. Durch geeignete Wahl der Messfrequenz, nämlich zwischen 8.5 - 12.3 GHz wird erreicht, dass zum einen insbe¬sondere Wasser mit geringer Bindungsenergie er¬fasst wird (die Relaxationsfrequenz ist abhängig von der Bindungsener¬gie des Wassers), zum an¬deren der Einfluss der Ionenleitfähigkeit prak¬tisch vernachlässigbar wird.
Wassermoleküle stellen elektrische Dipole dar, die in ihrer Aus¬richtung einem angelegten Wechselfeld zu folgen versuchen. Von einem gewissen Frequenzbereich an, der im Bereich der Mikrowel¬len liegt, können die Moleküle dem Wechselfeld nicht mehr schnell genug folgen, und es tritt eine ''Debye''-Relaxation auf, die zum einen mit einer Abnahme der Dielekrizitätskon¬stanten (DK = Realteil <nowiki>’</nowiki> der komplexen relativen DK), zum anderen mit einem hohen dielektri¬schen Verlust (= Imaginärteil <nowiki>’’</nowiki> der komplexen relativen DK) verbunden ist. Da für übliche tro¬ckene Baumateria¬lien die DK sehr klein ist und die dielektrischen Verluste prak¬tisch vernachläs¬sigbar sind, werden sowohl die DK als auch die dielektrischen Verluste eines kapillar-porösen Baustoffes we¬sentlich von dessen Wassergehalt bestimmt. Allerdings lassen sich die wesentlichen Nachteile der Leitfähigkeitsmethode und der Kapazitätsmethode vermeiden. Durch geeignete Wahl der Messfrequenz, nämlich zwischen 8.5 - 12.3 GHz wird erreicht, dass zum einen insbe¬sondere Wasser mit geringer Bindungsenergie er¬fasst wird (die Relaxationsfrequenz ist abhängig von der Bindungsener¬gie des Wassers), zum an¬deren der Einfluss der Ionenleitfähigkeit prak¬tisch vernachlässigbar wird.

Version vom 9. März 2010, 14:08 Uhr

Autoren: Hans-Jürgen Schwarz, NN


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Abstract[Bearbeiten]

Einleitung[Bearbeiten]

Bei den elektrischen Verfahren macht man sich die Abhängigkeit elektrischer Eigenschaften von der Feuchte zu nutze. Kapillar-poröse hygrosko¬pische Stoffe stellen mehrphasige heterogene Systeme dar, wobei die einzelnen Phasen unter¬schiedliche physikalische und auch chemische Eigenschaften aufweisen. Die Problematik der elektrischen Feuchtemessung besteht grundsätz¬lich darin, dass Bauteile nicht einfach eine Mi¬schung von trockenem Stoff, Luft und Wasser darstellen, sondern dass die verschiedenen Pha¬sen der Bindung des Wassers an den Stoff und deren Abhängigkeit von zahlreichen Parametern wie z.B. der Tem¬peratur zu berücksichtigen sind. Die z.B. verschiedentlich in der Literatur zu fin¬dende Vorstellung, man könne bei der Kapazi¬tätsmethode die Kapazität eines Kondensators aus einer Parallel¬schaltung von trockenem Stoff, Wasser und Luft darstellen, gibt den wahren Sachverhalt einfach nicht richtig wieder und führt leicht zu einer falschen Einschätzung der Leis¬tungsfähigkeit und der Genauigkeit derartiger Messmetho¬den. Größere Hohlräume und jegliche Art von Metallteilen (z.B. elektrische Leitungen aber auch Schlacken mit Metallresten im Baustoff) können zu hohen Messfehlern führen.

Elektrische Leitfähigkeit[Bearbeiten]
Abbildung 1: Materialfeuchte-Messgerät der Fa Protimeter. http://www.protimeter.de


Die elektrische Leitfähigkeit eines trockenen nicht metallischen Stoffes ist sehr niedrig. Das von üblichen Bauteilen durch Sorp¬tion aufge¬nommene Wasser ermöglicht jedoch den Trans¬port von Ionen dissoziierter Moleküle, sodass die Leitfähigkeit mit zunehmender Material¬feuchte rasch ansteigt. Somit kann die Messung der Leitfähigkeit eines Stoffes zur Feuchtebestimmung herangezo¬gen werden. Allerdings hängt die Leitfähigkeit eines Stoffes erheblich von der Ionenkonzentration ab, d.h. bei Stoffen mit er¬höhten Anteilen an salzbildenden Ionen wird nicht allein die Feuchte gemessen, sondern man erhält einen Wert, der sich aus der Leitfä¬higkeit des Wassers und der Leitfähigkeit auf¬grund des Ionengehaltes zusammensetzt.

Da der Salzgehalt eines Bauteils starken Schwankungen unter¬liegt, kann man keinesfalls aufgrund einer Leitfähigkeitsmessung an einem Bauteil quantitative Aussagen über dessen Feuchtezu¬stand machen. Eine Ausnahme stellt in diesem Zusammenhang das Baumaterial Holz dar, dessen Leitfähigkeit nur geringen Schwan¬kungen unterworfen ist, sodass sich das Leitfä¬higkeitsverfahren gut anwenden lässt. Allerdings ist zu beachten, dass die Leitfä¬higkeit tempera¬turabhängig ist.

Für be¬stimmte Aufgaben gibt es fest zu installie¬rende Elektro¬den oder Elektrodenkombinatio¬nen, die den Salzgehalt berücksich¬tigen bzw. unabhängig davon arbeiten.

Kapazität[Bearbeiten]

Kondensatoren leiten Gleichstrom nicht weiter, bilden aber für Wechselstrom einen Widerstand, dessen Größe von der Kapazität abhängt. So lässt sich mit einem geeigneten Wechselstrom die Kapazität des Kondensators und damit die Di¬elektrizitätskonstante des Kondensatordielektri¬kums messen. Meist wird sehr hochfrequenter Wechselstrom zur Messung benutzt, dessen Frequenz im Bereich der Radiofrequenzen liegt.

Abbildung 2: Feuchtemessung durch Erfassen der elektrischen Leitfähigkeit (nach Weiß & Ungerer 1995)


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FormType = 7

mit  = 0  r , 0 = 8.85  10-12 As/Vm

C = Kapazität  
= Dielektrizitätskonstante
A = Fläche der Kondensatorplatte  
0 = elektr. Feldkonstante

(materialunabhängig)

s = Abstand der Platten zueinander  
r = Dielektrizitätszahl (materialspezifisch)

Die Dielektrizitätskonstante hat bei Radiofre¬quenzen (bis zu einigen Hundert MHz) für Wasser den Wert von ca. 80, für übliche tro¬ckene Baumaterialien einen Wert zwischen 2 und 6, sodass im Bauteil enthaltenes Wasser wesent¬lich die resultierende Dielek¬trizitätskonstante beeinflusst. Diese steht in proportionalem Ver¬hältnis zum Feuchtegehalt des Baustoffs.

Kapazitive Feuchtigkeitsmesser für die Anwen¬dung im Bauwesen bestehen meist aus einem Streufeldkondensator, dessen Platten eben an der Bauteiloberfläche oder innerhalb des Bauteils angeordnet sind oder dessen Platten zylindrisch geformt sind und über eine Bohrung in das Bau¬teil eingebracht werden. Die zahl¬reichen Feh¬lermöglichkeiten (Temperaturabhängigkeit der Dielektrizitätskonstanten, Dichteabhängigkeit der dielektrischen Ei¬genschaften, Einfluss des Ionengehaltes, Ankopplung der Elektronen) schränken die Anwend¬barkeit dieses Verfahrens erheblich ein.

 
Abbildung 3: Feuchtemessung durch eine kapazitive Messeinrichtung (nach Weiß & Ungerer 1995) Abbildung 4: Kapazitiver Feuchtefühler (www.Gann.de)


   
Abbildung 5: Anordnung der Kondensatorplatten (nach Weiß & Ungerer 1995)


Mikrowelle[Bearbeiten]

Wassermoleküle stellen elektrische Dipole dar, die in ihrer Aus¬richtung einem angelegten Wechselfeld zu folgen versuchen. Von einem gewissen Frequenzbereich an, der im Bereich der Mikrowel¬len liegt, können die Moleküle dem Wechselfeld nicht mehr schnell genug folgen, und es tritt eine Debye-Relaxation auf, die zum einen mit einer Abnahme der Dielekrizitätskon¬stanten (DK = Realteil ’ der komplexen relativen DK), zum anderen mit einem hohen dielektri¬schen Verlust (= Imaginärteil ’’ der komplexen relativen DK) verbunden ist. Da für übliche tro¬ckene Baumateria¬lien die DK sehr klein ist und die dielektrischen Verluste prak¬tisch vernachläs¬sigbar sind, werden sowohl die DK als auch die dielektrischen Verluste eines kapillar-porösen Baustoffes we¬sentlich von dessen Wassergehalt bestimmt. Allerdings lassen sich die wesentlichen Nachteile der Leitfähigkeitsmethode und der Kapazitätsmethode vermeiden. Durch geeignete Wahl der Messfrequenz, nämlich zwischen 8.5 - 12.3 GHz wird erreicht, dass zum einen insbe¬sondere Wasser mit geringer Bindungsenergie er¬fasst wird (die Relaxationsfrequenz ist abhängig von der Bindungsener¬gie des Wassers), zum an¬deren der Einfluss der Ionenleitfähigkeit prak¬tisch vernachlässigbar wird.

Die bestehende Temperaturabhängigkeit der Re¬laxation kann soft¬wareseitig kompensiert wer¬den. Auch ist die Kompensation des Material¬dichteeinflusses grundsätzlich möglich.

Da Mikrowellenmessungen kontaktfrei erfolgen, treten auch keine Probleme mit der Ankopplung an das Messobjekt auf. Allerdings ist der Einfluss der Kornabmessungen der Baustoffe sowie der Inhomo¬genitäten wie z.B. Hohlräumen in den Bauteilen noch nicht in ausreichendem Maße geklärt. Die heutige Technik im Bereich Mi¬krowellen, elektronische Datenverarbeitung und Signalverarbei¬tung weist jedoch die Möglichkeit für die Weiterentwicklung eines nach der Mi¬krowellenmethode arbeitenden Feuchtemessers auf, mit dem hochfeuchtesensitiv, zuverlässig, genau, vor Ort und schnell Feuchtemessungen an Bauteilen durchzuführen sind.

Es finden Transmissions-, Reflexions-, Streufeld- und Resonatorverfahren Anwendung. Die Leis¬tung liegt nur bei ca. 5 mW, weshalb keine Schutzmaßnahmen erforderlich sind.

Abbildung 6: Messgeräte zu Feuchtemessung mit der Mikrowellenmethode